Episode 7 – Die Kritik

Zu Beginn des Films wird man für meinen Geschmack etwas zu sehr ins kalte Wasser geworfen. Die erste Ordnung ist aus den Ruinen des Imperiums auferstanden, es gibt eine Republik aber auch einen Widerstand, Republik hilft dem Widerstand irgendwie… alles sehr knapp gehalten. Die Max von Sydow Rolle wirft fragen auf… wer ist er und warum hat ausgerechnet er die Karte? Die Ritter von Ren werden 1x erwähnt und haben auch nur ein Szene.
Auch später macht die Handlung mal wieder solche Sprünge, wie etwa wenn Rey ihre Machtfähigkeiten erkennt aus gleich mal ausprobiert. Maz Kanata verschwindet plötzlich einfach aus dem Film. Kylo Ren ist der Sohn von Han und Leia…. der Familientwist wurde recht früh und beiläufig aufgelöst. Und ich nehme an, Rey ist eine Verwandte, nur wird das erst in EP8 enthüllt.

Der Film ist wie erwartet zu einigen Teilen sowas wie ein Remake des Originals von 1977. Einige Sequenzen wurden schon recht deutlich abgekupfert. Mal mehr und mal weniger gelungen, aber nie das es unangenehm wäre. Einzig die Band in der Burg von Maz Kanata hätte schon die Einblendung "Anspielung auf die Cantinaband" vertragen können, so offensichtlich war es.

Han Solo ist der Mann des Films und selten war er so gut. Hut ab vor Harrison Ford, er schafft es in jeder Szene, als Han Solo zu überzeugen. Auch Chewbacca hat viel zu tun, hat mich gefreut.
Leia hat nicht viele Szenen, wird aber sinnvoll eingesetzt und kann durchaus überzeugen. Luke ist tatsächlich nur in einer Szene zu sehen…. und es ist die beste des Films.

Ich mag die neuen großen Drei. Sie sind sympathisch und die Chemie zwischen Rey/Finn/Dameron und zu den alten Helden funktioniert sehr gut. Und BB-8 ist toll.

Der Film hat keinen richtig überzeugenden Bösewicht. Kylo hat Potenzial, aber es mangelt ihm noch an Profil. Gutes Charakterdesign, aber mit seinen Wutausbrüchen wirkte er auf mich hier und da eher wie eine Karrikatur. Allerdings ist da noch Luft nach oben, denn auch Darth Vader hat sich nach ANH noch entwickelt.
Gut: Ren ist innerlich zerrissen, fühlt sich zur hellen Seite hingezogen, wirkt verletzlich, hat etwas menschliches. Außerdem ist er noch nicht der Überbösewicht, ähnlich wie bei Vader und Tarkin in ANH ist General Hux mindestens gleichberechtigt und hat keinen Respekt vor Ren.
Aber dennoch fehlt dem Film ein überzeugender Gegenspieler. Ren und Snoke haben noch zu wenig Profil, Hux wirkt nach Fanatiker (und evtl. etwas zu jung) und Captain Phasma ist kaum zu sehen. Phasma hätte man sogar streichen und ihre Dialogzeilchen problemlos auf irgendwelche Sturmtruppen und General Hux umschreiben können. Da kann sich bei allen noch viel steigern.

Und ich muss sagen, die Schauspieler waren insgesamt gut. Gefordert wird man bei dieser Art von Film natürlich nicht oft, aber diesmal stand wenigstens keiner aus dem Cast völlig neben sich. Und man merkt, JJ Abrams kann mit Schauspielern und Menschen einfach besser umgehen als George Lucas.

Der Humor hat mir gefallen. Witzig und ungekünstelt wie in der OT, ein paar gute Sprüche, keine peinlichen Slapstickszenen.

Lichtschwerter:

Während das Lichtschwert in den Prequels und TCW inflationär oft eingesetzt wurde, ist der Umgang in TFA alles viel dezenter. Hier ist es wieder eine edle Waffe, etwas besonders, nicht das Universalwerkzeug für alles.
Und die Kampfszenen sehen gut aus. Härter, robuster, nicht mehr wie die zu offensichtlich choreographierten Schaukämpfe aus den Prequels. Nimm das, Nick Gillard! :Pcheeky

Musik:

Der Soundtrack ist okay. Nicht mehr, nicht weniger. Insgesamt nichts besonderes, die Musik hat wenige Höhepunkte, zwar fällt selten etwas unangenehm auf, besteht aber aus viel Standardkost. John Williams war schon noch schlechter, aber seine großen Zeiten sind vorbei.

Visuelle Umsetzung:

Toller Look, schönes Produktionsdesign. Von Reys Behausung im AT-AT Wrack hätte ich gern mehr gesehen.

Beim ersten Ansehen ist mir kein schlechtes CGI aufgefallen. Der Film ist nicht so kalt und steril wie die PT, nie mit FX überfrachtet, nicht mit sinnlosen Animationen vollgestopft. Aber die handgemachten Aliens überzeugen zum Teil ähnlich wenig wie in den Prequels: Admiral Ackbar sieht schon verdammt unecht aus, schlechter als 1983.

Die Kamera ist nicht so verwackelt wie bei Star Trek, kein übermäßiger Einsatz von Lensflares. Schnitt, alles gut… so hat ein Film dieser Art heutzutage auszusehen. 3D mal wieder sehr unspektakulär…. bis auf den Sternzerstörer und wenn Rey das Lichtschwert an Luke übergibt ist mir nichts nennenswertes aufgefallen.

Star Wars Feeling:

Kommt öfters durch, meiner Meinung nach mehr als in allen drei Prequels zusammen. Aber an manchen Stellen hab ich es vermisst. Wenn sich Rey und Kylo auf dem Planeten der Starkiller Base begegnen, dann hat das schon ein bißchen was von Fanfilm im Wald.

Deutsche Synchro:

Ohne die Originalfassung bis jetzt zu kennen: Scheint okay zu sein. Allerdings gibts auch hier den TIE, nicht den TEI…..

Bewertung:

Allein wegen Han und Chewie 8 von 10.

Fazit:

Ein Film wie ANH. Locker, unterhaltsam, kurzweilig. Guter Film, man hätte sicher noch mehr rausholen können, aber er ist besser als die Prequels. Mission erfüllt.

Kritik: Star Trek Into Darkness

 (Foto © Paramount)
 
Der erste Star Trek von J.J. Abrams aus dem Jahr 2009 ist ein Film, den ich trotz seiner Mängel irgendwie mag. Einerseits nervt der hibbelige Chekov, der teils sogar peinliche Scotty noch mehr, die Story ist dürftig und mich stört die extreme Wackeloptik. Andererseits ist der Film bis auf wenige Ausnahmen gut besetzt, bietet tolle Designs, ist sehr kurzweilig und bis auf die Zappel-Action auch recht gut inszeniert.
 
Nun steht also der zweite Teil von Abrams’ Neustart an. Und erfreulicherweise macht Star Trek Into Darkness genau das besser, was mir am Vorgänger nicht gefallen hat.
 
Scotty ist immer noch als lustiger Charakter angelegt, und weit komischer als es James Doohan im Original war. Aber diesmal fällt Scotty nicht derart albern bis peinlich aus. Seine Oneliner sind nicht mehr so sinnfrei oder laden zum Fremdschämen ein, wie es noch beim ersten Teil der Fall war. Insgesamt hat mit Mr. Scott diesmal nicht genervt.
Auch Chekov ist nicht mehr so störend wie im Vorgänger, auch wenn Anton Yelchin immer noch so nervös und zappelig wie Shia LaBeouf durch die Enterprise rennt und diesmal der Charakter ist, der mich am wenigsten überzeugen konnte.
Die übertriebene Wackeloptik wurde zum Glück stark zurückgeschraubt. Die Actionszenen sind immer noch rasant, aber ähneln nicht mehr so sehr der Shakycam-Attacke im Stil von Michael Bay. Diesmal kann das menschliche Auge der Action größtenteils folgen und auch der Schnitt ist nicht mehr so übertrieben schnell, wobei er aber noch etwas denzenter sein könnte. Auch ein paar Kameraschwenks fand ich immer noch recht hastig.
 
Die Story mag man für ein Drehbuch vom Transformers-Krawallduo Kurtzman/Orci als sensationell bezeichen. Klammert man die Autoren aus, ist die Story immer noch passabel und auch eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorgänger. Der Film ist deutlich ernster und dunkler, frei von den Albernheiten seines Vorgängers. Anscheinend bahnt sich im Film auch schon die Handlung für den nächsten Teil an, in dem es dann um einen Konflikt mit den Klingonen gehen könnte. Die Geschichte bietet ein paar Überraschungen und die Charaktere entwickeln auch mehr Profil. Vor allem der in Teil 1 oft recht blasse Chris Pine kann diesmal stärker überzeugen. Zoey Saldana hat nun auch etwas mehr zu tun, als nur nett auszusehen. Karl Urban konnte schon bei seinem ersten Auftritt als Dr. McCoy überzeugen, was ihm erneut gelingt. Als kleinen Leckerbissen gibt es auch diesmal einen Kurzauftritt von Leonard Nimoy als Spock. Als gute Wahl auf der Besetzungsliste erwies sich auch Peter Weller ("Robocop") und das große Los hat man bei der Besetzung von Charisma-Monster Benedict Cumberbatch gezogen, der als Gegenspieler endlich mal wieder die nötige Ausstrahlung mitbringt. Der erste Star Trek Gegenspieler seit Christopher Plummer als General Chang, der mich wieder überzeugen konnte.
 
SPOILER! TEXT BITTE MARKIEREN: Und ja, Benedict Cumberbatch ist Khan. Und das hat man wirklich sehr schön gelöst, indem man den von Ricardo Montalban verkörperten Charakter aus Star Trek II nicht einfach kopiert, sondern die Hintergrundgeschichte aus der Episode "Der schlafende Tiger" äußert gelungen einarbeitet. SPOILERENDE
 
Da J.J. Abrams auch Star Wars Episode 7 inszenieren wird, hat mich der Look des Films natürlich besonders interessiert. Wie gesagt, die Action sah diesmal weniger wackelig und insgesamt weit besser, sogar richtig gut aus. Immer wieder stellte ich mir die Frage, warum eigentlich die Star Wars Prequels nicht so aussehen. Das futuristische San Francisco hätte zumindest in den Szenen der ersten Hälfte auch Coruscant sein können. Keine Bonbonfarben am Himmel, die Stadt wirkt einfach realer.
 
Das Produktionsdesign ist größtenteils wirklich gelungen, sogar die Klingonen, die mir in den entfallenen Szenen der Blu-Ray zu Teil 1 nicht besonders gefallen haben, können sich sehen lassen. Die Kostümdesigner haben auch gute Arbeit geleistet, von ein paar Kleinigkeiten wie den Mützen der Sternenflottenuniformen einmal angesehen.
 
Die Musik ist in Ordnung. Es gibt zwar bessere Soundtracks von Michael Giacchino (wie z.B. "John Carter auf dem Mars"), aber insgesamt bietet der Score mehr Abwechslung als beim Vorgänger, bei dem sich ständig das Titelthema wiederholte. Natürlich ist auch der neue Star Trek in 3D, und obwohl ich immer noch kein Anhänger der dritten Dimension bin, fand ich den Effekt hier recht gelungen. Größtenteils fällt das 3D ziemlich subtil aus, nur bei der Eröffnungssequenz hat man das Gefühl, hier wurde bewußt auf 3D-Tauglichkeit getrimmt.
J.J. Abrams war immer mehr Star Wars als Star Trek Fan, und das merkt man. Star Trek Into Darkness fühlt sich in den Actionszenen oft einfach wie Star Wars an. Zum Beispiel bei dieser Szene möchte man meinen, hier fliegt der Falke und da sitzt nicht Captain Kirk, sondern Captain Solo im Cockpit. Gleichzeitig erzeugt die Film auch wieder ein stärkeres Star Trek Feeling, als es bei den Filmen mit der Crew der Next Generation der Fall war.
 
Die Spezialeffekte sind hervorragend und bieten einige beeindruckende Sequenzen (wie z.B. wenn die Enterprise aus dem Meer auftaucht oder am Ende schwer ins Trudeln gerät), meiner Meinung nach die beste Arbeit von ILM der letzten Jahre. Und Regisseur Abrams gelingt es auch diesmal, die FX perfekt zu dosieren, die Überladenheit der Prequels fehlt hier völlig. Da sind keine computeranimierten Aliens die in computeranimierte Fäkalien treten. Keine computeranimierten Menschen, wo keine sein müssen. Und da schwirren bei einem Zweikampf auf keine Droiden durchs Bild, die keinerlei Zweck erfüllen. Abrams kann es einfach… Abrams kann das, was George Lucas leider verlernt hat. Wenn Episode 7 so aussieht, wäre ich schlicht begeistert. Ebenso könnte ich mich begeistern, wenn J.J. Abrams auch noch Produktionsdesigner Scott Chambliss mitbringt.
 
Als J.J. Abrams als Regisseur von Star Wars Episode 7 bestätigt wurde, schwappte ihm gleich eine hohe Euphoriewelle entgegen. Abrams wurde auf zahlreichen Internetseiten und von den Fans als regelrechter Heilsbringer gefeiert, der nach den für viele enttäuschenden Prequels endlich wieder einen guten Star Wars Film (oder vielleicht sogar Filme) drehen würde. Ich empfand die Euphorie und Erwartungshaltung der Fans eigentlich schon gefährlich hoch, aber nach Star Trek Into Darkness habe ich ein recht gutes Gefühl.
Ich weiß nicht, wie die Geschichte von Episode 7 aussehen wird und ob sie mich zufriedenstellt. Aber das J.J. Abrams einen Film drehen kann, der Episode 1-3 zumindest visuell und handwerklich vergessen macht, kann ich nach Star Trek Into Darkness nicht mehr anzweifeln.
 
Fazit: Großartig! Kurzweilig, spannend, einfach toll gemacht. Ich kann mir kaum vorstellen, daß das Unterhaltungskino in diesem Jahr noch etwas besseres bieten kann. 
 
Bewertung: